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Sport: Turnschuhe richtig kaufen

Joggen, Tennis, Basketball: Bei vielen Sportarten sind gute Schuhe unentbehrlich. Unter anderem sollen sie vor Verletzungen schützen. Wichtige Tipps für den Einkauf
von Julia Rudorf, 08.09.2017

Sprünge beim Basketball belasten die Gelenke. Gute Schuhe sind dann wichtig

plainpicture GmbH/--

Wer für den Sport neue Schuhe kaufen möchte, merkt spätestens im Geschäft: Ganz so einfach wird das nicht. Die Auswahl ist riesig. Die Ratlosigkeit steigern zusätzlich Produktbeschreibungen wie Faserverstärkung, Schaum-Technologie, Leitplanken oder Pronationsstützen. Verwirrende Begriffe mit nur einer klaren Botschaft: Wer zu diesem Schuh greift, wählt ein ziemlich ausgeklügeltes Stück Sportausrüstung.

Professor Gert-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln, hat die unterschiedlichen Trends in der Schuhindustrie über die Jahre mitverfolgt: "In modernen Schuhen steckt eine ganze Menge technischer Entwicklungen."

Schuh muss individuellen Anforderungen entsprechen

Bei Leistungs- und Profisportlern soll das Schuhwerk dazu beitragen, im Wettkampf Höchstleistungen zu bringen. Für Freizeitsportler geht es jedoch meist um etwas anderes: "Sportschuhe sollen einem ermöglichen, beim Training wirklich etwas für seine Gesundheit zu tun, ohne sich zu verletzen." Laufen ohne Kniebeschwerden, Volleyballspiel, ohne umzuknicken: Ein passend ausgewählter Sportschuh kann dieses Ziel unterstützen.

Doch dazu muss der Schuh möglichst gut auf individuelle Anforderungen abgestimmt sein, sagt Klaus Peiken­kamp, Professor für Biomechanik an der Fachhochschule Münster: "Wer etwa beim Sport schon öfter umgeknickt ist, braucht womöglich einen Schuh mit besserer Stütze." Wer dagegen Schmerzen im Knie hat, dem hilft vielleicht ein Schuh, der die Bewegung etwas anders führt.

Zu viel Dämpfung schadet

Wie stark aber ein Schuh die Erschütterung beim Auf­treten abfedern sollte, ist unter Experten immer noch umstritten. Lange galt eine stark dämpfende Ausstattung als das Nonplusultra. Die Idee: Ein Schuh, der möglichst viel Sohle zwischen Sportlerfuß und Untergrund bringt, schont die Gelenke und verhindert Verletzungen. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht. "Heute weiß man, dass zu viel Dämpfung kontraproduktiv ist. Die Knochen benötigen eine gewisse Belastung beim Sport, um stabil zu bleiben", sagt Brüggemann.

Außerdem zeigte sich, dass die weichen, dicken Sohlen bei manchen Menschen zur Instabilität von Fuß und Sprunggelenk führten – und zu Beschwerden. Der Fokus hat sich deshalb verschoben: "Weil das Knie am häufigsten von Verletzungen betroffen ist, wird heute eher darauf geachtet: Was passiert mit dem Kniegelenk, wenn ein bestimmter Sportschuh getragen wird?" Das neu aus­ge­gebene Ziel: eine möglichst natürliche Bewegung des Gelenks zu erhalten, um so Verletzungen zu vermeiden.

Was bringen Laufbandanalysen?

Doch wie lässt sich feststellen, ob ein Schuh das kann? Da ist zunächst das eigene Gefühl. Schon beim Probieren sollte der Schuh bequem sein. Auch mit Sportsocken brauchen die Zehen Platz und die Ferse Stabilität. Viele Sportgeschäfte bieten Lauf­band­analysen an. Kunden können auf dem Gerät verschiedene Schuhe ausprobieren, die Bewegungen werden meist gefilmt.

Experten sehen den Service kritisch. "Das einfache Laufen geradeaus ist keine beim Sport typische Bewegung", sagt Biomechanik-Experte Peikenkamp. Belastungen, wie sie bei Ballsportarten normal sind – etwa plötzliche Richtungswechsel, Abbremsen oder Springen –, kann das Laufen auf dem Band nicht simulieren. "Eine Laufbandanalyse kann vielleicht Hin­­weise geben – wenn man sich einen Laufschuh kaufen möchte."

So finden Sie die richtigen Sportschuhe

  • Geduld: Auch wenn Sie sport­liche Ziele haben: Beim Schuhkauf sollten Sie sich Zeit lassen, um das Paar zu finden, das am besten zu Ihnen passt.
  • Tageszeit: Der Abend ist die beste Zeit für den Schuhkauf. Bei leicht geschwollenen Füßen fallen mögliche Druckstellen schneller auf.
  • Sportart: Wichtig ist vor allem, welchen Sport Sie mit den Schuhen betreiben wollen und wo. Wollen Sie damit zum Aerobic-Training ins Fitnessstudio oder zum Laufen in den Wald?
  • Vorerkrankung: Wer schon Proble­me hat, sollte sich vorab Rat von einem Orthopäden holen. Und wer Einlagen trägt: unbedingt zum Einkauf mitnehmen!

Umfangreichere Bewegungs-Analysen bieten mancherorts etwa Sanitätshäuser, Orthopädische Schuhmacher oder Schuhtechniker an. Die Kosten sind unterschiedlich, oft liegen sie auf ähnlichem Niveau wie die eines Paars guter Sportschuhe. Für Menschen, die vielleicht schon Probleme mit den Füßen oder Gelenken haben, kann es sich trotzdem lohnen.

Turnschuh zum Hosenanzug

Zudem kommen Sportschuhe mittlerweile nicht mehr nur beim Training zum Einsatz. "Sneaker sind generations- und geschlechterübergreifend salonfähig geworden. Schließlich werden sie auch zum Anzug oder Kleid getragen", sagt Dr. Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut. Bei der Arbeit schlüpfen ebenfalls viele Menschen mit Vorliebe in bequeme Sportschuhe. Ein Trend, der aus medizinischer Sicht zu begrüßen ist, betont Gert-Peter Brüggemann. "Was die Form und die Technologie der Mittelsohle angeht, sind Laufschuhe anderen Alltagsschuhen meist deutlich überlegen."



Bildnachweis: plainpicture GmbH/--

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